FÜNFZEHN

Ein Interview mit der coolsten Galeristin vom Alsergrund

Dr. Helga Neumayer

 

Liebe Denise, herzliche Gratulation zum 15. Geburtstag deines Babys, der Galerie Nuu, ein unübersehbar gastfreundlicher, herzerwärmender und menschlicher Ort im Dickicht der urbanen Fragmentierung und Kommerzialisierung.

Wie schaffst du es, in solch harschen Zeiten einen so einladenden Ort wie das Nuu am pulsierenden Leben zu halten? Gibt´s ein Geheimnis?

Ja, das Geheimnis ist es in Liebe, Freundschaft und Kreativität zu arbeiten, zu handeln, zu entscheiden. Anfangs hielten viele dieses „ Konzept“ für rühriges veraltertes Hippie-blabla, aber nun, nach 15 Jahren – hat das permanente Bestehen und Aufblühen des NUUs  meinem „ Hippieansatz „recht gegeben. Natürlich stecken auch unzählige, von vielen guten und fähigen FreundInnen des NUUs und mir ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden im NUU. Es gibt 3 Leitsätze im NUU: Zum Einen: Jed/r kann was, jede/r kennt wen, und aus dieser Tatsache ein tragendes und nährendes Netzwerk zu bauen ist gelungen. So kann man das NUU heute auch als soziale Skulptur sehen, international - regional verwoben und agierend. Der andere: Love is a peformable miracle ! Um Wunder zu ermöglichen braucht es einen Raum in dem es sich ereignen kann und die Abwesenheit des Rationalen Denkens im Sinne von: Wenn ....-dann ! Und wir versuchen uns im NUU nicht auf die Problem zu fokusieren sondern auf Möglichkeiten, das gelingt nicht immer, aber immer wenn es gelingt ist es transformativ und fruchtbar.

Wo nimmst du all die wunderbar verrückten Leute her, die bei dir wasserspeiende Skulpturen, Fabelwesen, Skuriles und Klingendes darstellen, ausstellen oder herstellen? (Und sich nebenbei auch noch gut unterhalten …)

Ha, das ist eine gute Frage die ich mir auch öfters stelle. Wir machen ja kaum öffentliche Werbung, Ich glaube das ergibt sich aus der Tatsache ; Jede/r kann was jede/r kennt wen .... - FreundInnen bringen FreundInnen mit ins NUU, begabte Menschen haben auch immer begabte FreundInnen, und so, hauptsächlich über Mundpropaganda, sprechen mich bisher fortwährend interessante Menschen an die ihre Herzensprojekte im NUU verwirklichen wollen. Menschen die vom NUU spirit angesprochen sind sind meist ebenfalls nicht kommerziell ausgerichtet sondern mehr an Inhalt und dem „Erleben an sich“ interessiert.

Woran hast du ganz am Anfang gedacht?

An einen Kunst und Kommunkationsraum in dem Begegnung auf Herzensebene stattfinden kann, ohne esoterischem Klimbim, ohne im Kreis zu stehen und sich an den Händen zu halten, sondern stattdessen die Kraft der Kunst zu verwenden um Menschen einen Rahmen/Raum zu geben um sich auszutauschen, ihre Arbeit zu zeigen oder einfach nur um sich aufzuladen und zu erholen. Es ist sehr stärkend und konstruktiv in ein liebevolles Feld einzutauchen, ein Feld indem sich Kunst und Kultur mit dem Alltag verbindet.

Die magische Zahl 15 lässt sich durch 1, 3 und 5 teilen. Was waren die 5 wichtigsten Momente auf diesem Weg? Was waren die 3 wichtigsten Begegnungen? Gab es 1 Moment, auf den du lieber verzichtet hättest?

Was waren die 5 wichtigsten Momente auf diesem Weg?

1) Den Raum anzumieten, 3 monate lang umzubauen und zu beginnen, ohne Geld, ohne Businessplan, sondern einfach mit der Kraft der Ideen und auch teilweise Illusionen.

2) Das Eröffnungsfest: Ich glaube dass es so wie es beginnt auch aufhört, und unser Eröffnungsfest war quasi eine Jahrtausendparty. Wir haben bis in die frühen Morgenstunden gefeiert, alle FreundInnne waren da, wir haben bei live Musik Essen geweiht, getanzt, performt, und sehr viel gelacht. Der Raum war voller Licht, Liebe, Kunst, freundlichen Menschen, Blumen und gutem Essen.

3) Die Entscheidung mit David Müller Abt zusammen zu arbeiten, dh er hatte sein Atelier im NUU und stellte über 12 Jahre regelmäßig seine Bilder im NUU aus.

4) Nach dem Tod von David Müller-Abt 2015 das NUU weiterzubetreiben  und selbst weiterleben zu wollen.

5) Zu verstehen dass ich das NUU nicht für Andere mache sondern für mich selbst, weil es mir Freude macht und wichtig ist. Ich nehme die Liebe nicht romantisch sondern Tod ernst, ich vertraue auf sie so wie ich auf den Tod vertraue, beide haben höchste Transformationskraft, sind schöpfersich und ein Leben ohne Liebe und Tod wäre sinnlos und unendlich anstrengend und öd.

Was waren die 3 wichtigsten Begegnungen?

1) Die Begegnung mit mir selbst. Denn wenn man mit sovielen Menschen auf persönlicher Ebene arbeitet und sich austauscht dann ist es essentiell bei sich bleiben zu können , sich abgrenzen zu können und nein sagen zu können. Das alles ist mir Angangs sehr schwer gefallen, aber mittlerweile geht’s.

2) Die Begegnung vor 25 Jahren mit dem Maler David Müller-Abt. Er war mein bester Freund, Seelengefärte und Arbeitskollege. Gemeinsam haben wir das NUU geschaukelt, wir haben täglich miteinander gelacht und es war eine sehr kreative und menschlich tiefe Begegnung, Freundschaft, Lebensliebe.

3) Die Begegnung mit dem Tod. Es sind in 4 Monaten 4 meiner besten Freunde gestorben, und meine Katze auch. Da ist neben allem Schmerz in mir die Dankbarkeit zu leben in einem Ausmaß angestiegen wie nie zuvor. Das war sehr transformativ, kein Stein blieb am anderen, und nun ist vieles neu geordnet und das Leben geht weiter, blühend und schön, auch ohnen denen die ich sehr liebe.

Viele wussten ja schon als Kind, was sie werden wollten. Ich sah mich z. B. mit einer Kreide an einer Tafel schreiben, jetzt ist es halt die Feder geworden. Wie war das bei dir?

Ich wollte als Kind immer Tierpsychiater werden, ich glaube heute gibt es den Beruf sogar, damals haben mich alle eher erstaunt belächelt. Ich hatte immer das Gefühl mit Tieren sprechen zu können und war seit eh her beseelt ihnen zu helfen. Später dann hatte ich weder einen Wunsch noch eine Vorstellung was aus mir werden sollte, und im Grunde hat sich das NUU aus den Erfahrungen meiner Freundschaften, Reisen und meinem Vertrauen in die Kunst wie von selbst ergeben. Das ich einmal eine Galerie Werkstatt leiten würde hätt ich mir nie nie nie  gedacht oder davon geträumt.

Was wünschst du dir für die nächsten 15 Nuu-Jahre?

Dass ich physisch und psychisch gesund bleibe, dass mit weniger Arbeit mehr Geld ins NUU fließt, dass Menschen die Grundidee vom NUU kopieren oder auf ihre eigene Art umsetzten, dass das NUU geliebt und unbeschadet  weiterhin in Freundschaft, Liebe und Kreativität weiterbestehen kann.