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WIEVIELE FISCHE PASSEN INS NUU? AUSSTELLUNG VON MARIO SIMITIS


"Ich habe die Galerie Werkstatt NUU aus Wien  ins Meer vor Griechenland verlegt und die Raummaße mit Bojen abgesteckt. Der Tauchgang begann an der Felsküste bei Kardamili, Griechenland,  von dort aus bin ich  in Richtung Haupteingang NUU  geschwommen/gelbe Boje. Danach habe ich  4 weitere  Tauchgänge unternommen, an jeder Ecke des NUU einen, mit je einer Dauer von 1,32 Minuten. Alle Fische, die bei diesen Tauchgängen näher als einen Meter an mich herankommen sind wurden von mir gefilmt und später in einem Aquarell abgebildet.  Diese Aquarelle werden nun als beidseitige Bilder in Plexiglas als Schwärme in der Galerie Werkstatt NUU ausgestellt." Mario Simitis

 

Konzept *:

Die theoretischen Wissenschaften haben traditionell nach einfachen, universalen und zeitlosen Gesetzen gesucht, Fische zu zergliedern, zu untersuchen und zu verstehen. Diese lineare reduktionistische Herangehensweise, die verstärkt von den praktischen Wissenschaften übernommen wird, erweist sich aber für das konkrete Ausstellungkonzept als nicht ausreichend.

Denn innerhalb der Fisch-Schule gibt es keinen Leitfisch, dem alle folgen. Sobald ein Fisch beispielsweise neugierig wird, signalisiert er dies durch sein Verhalten und einer jeweiligen Kurs- oder Verhaltensänderung.

Hier werden in der Politik häufig Experten zitiert, die (tier-)experimentelle Studien durchgeführt haben. Ein Ergebnis bezog sich auf die Frage, welche situativen Bedingungen die fluchtartige Neugier bei Fischen hervorrufen könne. Einer der 4 Aspekte ist die Bedingung von Komplexität und in Folge Emergenz.

Kann man das Gesamtverhalten eines Schwarmes , trotz vollständiger Informationen über seine Einzelkomponenten, des Fischsubjektes, und deren Wechselwirkungen, nicht eindeutig beschreiben, so handelt es sich um Emergenz, im Sinne eines „Auftauchens“, einer Grenzüberschreitung, einer Herausbildung von neuen Strukturen.

Die Nachricht geht dann wie eine Welle durch den Schwarm und erreicht jedes Individuum.

Der unerwartet hohe Zulauf, eine regelrechte Zuwanderung der Fische kann viele verschiedene Ursachen haben. Zum einen deutet ein für die Art untypisches Verhalten auf eine überdurchschnittliche Neugierde und Lebenslust einiger Fischindividuen hin, zum Anderen kann es jedoch auch ein deutliches Indiz für nicht artgerechte Lebensbedingungen sein. Manche Fische verhalten sich aggressiv oder auffällig aufgrund von Gefahr, Einsamkeit, Stress oder Depression.

Einige Fische verlassen sich bei Kurs- oder Verhaltensänderungen auf ihr Sehvermögen und unterscheiden Körperfarben und Muster. Andere unterhalten sich wiederum mit Klicklauten, Knurren und fremdsprachig klingenden Geräuschen.

Daher darf eine Systematik sowie eine zweiseitige bildnerische Beschreibung der fremdartigen Spezies (im Sinne der eigenen aber auch der fremden Sichtweise) die in den NU(E)U Raum zuwandern, nicht fehlen. Jedes Fischsubjekt kann von außen und von innen betrachtet und überwacht werden.

Denn alle abgebildeten Spezies, konkret SiganusRivulatus, Diplodus Sargus, Chromis Chromis, Oblada Melanura, Coris Julis, Perca Fluviatilis und Sparisoma Cretense leben im geografischen Gebiet des Mittelmeeres und kommen an den Küstengebieten von Algerien, Ägypten, Frankreich, Griechenland, Italien, Israel, Libanon, Libyen, Marokko, Monaco, Spanien, Syrien, Tunesien, Türkei und Zypern vor.

* Der Text ist eine überarbeitete und leicht abgewandelte Form einer Zusammenführung von naturwissenschaftlichen Texten über Fische und Auszügen aus Texten systemtheoretischen Inhalts. Beim Lesen dieses verschlüsselten Kunsttextes wird ein Gefühl oder Eindruck erzeugt welchem der Verstand nicht folgen kann, da der Text keinen logischen Sinn ergibt. Er soll somit nichts erklären, sondern anmuten.